Roman | Ross Thomas: Stimmenfang
Mit Ross Thomas‘ ›Stimmenfang‹ beendet der Alexander Verlag Berlin seine verdienstvolle Neuausgabe des literarischen Werks eines Mannes, der zu den wichtigsten Thrillerautoren des 20. Jahrhunderts zählt. Der im Original 1967 unter dem Titel ›The Seersucker Whipsaw‹ erschienene Roman ist die Nummer 2 von 25 Thrillern, die Thomas in seiner zweiten Karriere als Schriftsteller zwischen 1966 und 1991 schrieb. Dass er davor als politischer Journalist, PR-Manager und Wahlkampfberater unterwegs war, ist diesem sich um die ersten freien Wahlen in einer ehemaligen britischen Kolonie in Afrika drehenden Buch durchgehend anzumerken. Wenn sich seine beiden Helden, der PR-Mann Peter Upshaw und der politische Stratege Clinton Shartelle, aufmachen, um den Wahlkampf eines der drei Bewerber für das Präsidentenamt im fiktiven Albertia mit allen Mitteln zu unterstützen, wirkt das so realitätsgesättigt, als gäbe der Autor tatsächlich eigene Erfahrungen wider. Und es hat auch ein gutes halbes Jahrhundert nach seinem ersten Erscheinen weder etwas von seiner politischen Aktualität noch von seiner literarischen Güte verloren, auch wenn es nicht unter die besten Werke dieses Autors zählen dürfte. Von DIETMAR JACOBSEN


